Jagdhund Ausbildung - Teil2
Die Entwicklung von Arco in den Wochen 15 bis 20!
Diese Zeit und auch noch viele Wochen danach ist Geduld und die nötige Konsequenz der richtige Hebel um später einmal Erfolg zu haben.
Das Ziel ist es den heran wachsenden Jagdhund in seiner Entwicklung zulenken und Jagdlich aus zu bilden.
Die Zeit vergeht und mein Welpe Arco wächst und wächst.
BGS Rüde Arco vom Predigerstuhl am 20.8.2010 - 20.Woche alt hat bereits beachtliche 12 kg
Arcos Interesse für die Umgebung und deren Bewohner ist enorm.
Meinen Jüngling interessiert einfach alles!
Stirne runzelnd sitzt er oft vor mir als wolle er mich Fragen was es den noch alles zu entdecken gibt.
Angefangen vom Regenwurm, Ameisen, Frösche, Nachbars Katze, andere Hunde als Spielgefährten, Wiesel oder Mausloch Nachgraben, Blumen aus Lust und Laune abreißen, Schachteln zerkleinern, Lieblingsspielzeug apportieren, jedes Loch und jeden Winkel genau untersuchen, Spielen einfordern, alles was kriecht und sich irgend wie bewegen lässt wird inspiziert und genau unter die Lupe genommen.
Arcos Spieltrieb und die Freude am bewegen wird von Tag zu Tag noch größer.
Arco wird in seinen Bewegungen immer sicherer und nutzt seine Wendigkeit im sich fort zu bewegen. Seine leicht Flüssigen Bewegungen sind enorm wichtig für seine späteren Aufgaben als Laufhund.
In den letzten Wochen werden meine Partnerin Anneliese und ich enorm gefordert.
Oft habe ich das Gefühl als wolle uns Arco testen und ausprobieren.
Was kann ich meinem Herrl und Frauerl zumuten!
Was muss ich unterlassen!
Sowohl körperliche Anstrengung als auch in der Geduld werden wir stark gefordert.
Ohne ein breites Denken von Herrl und Frauerl kann man nur schwer vieles verstehen.
Hier Schritt zu halten ist oft anspruchsvoll und fordert enorm viel Verständnis.
Wenn ich nicht meine Partnerin Anneliese hätte wäre die Haltung meines Jagdhundes schwer bis kaum möglich. Vorraussetzung für eine gute Hundehaltung ist der Familienanschluss. Meine Lebenspartnerin Anneliese kann zuhause arbeiten und deshalb ist es auch möglich sich während des Tages Zeit zu nehmen sich um den Hund zu kümmern.
Die notwendigen Ruhepausen für Hund und Herrl gehören genau so zum Alltag wie alles andere.
Welpen wie Arco benötigen mehr Ruhephasen als man glaubt. In der Zeit seiner Schnellwüchsigkeit sollte man eine Überbeanspruchung des Habitus strickt vermeiden. Dadurch können spätere Folgeschäden des heranwachsenden Hundes vermieden werden.
Durch den enormen Spieltrieb eines Welpen wird oft vergessen auf die körperliche Entwicklung zu achten. Auch in der freien Natur gehört das Spielen zum Alltag und wird im Kreise seiner Familie stark forciert. Hier lernen die Welpen spielerisch für ihre späteren Aufgaben.
Wir dürfen in der Zeit eines Hundeslebens nicht vergessen welche Verantwortung wir alsHundeführer, Ausbildner und Rudelführer haben.
Die Vernunft mit Verantwortung richtig um zu gehen und das Bewusstsein richtigeEntscheidungen zu treffen ist oberstes Gebot.
Der Übermäßige Ergeiz vom Hundeführer aus seinem Zögling einen „Superstar“ zu machen verhindert oft einen späteren Erfolg.
Meistens werden große Talente unnötig verheizt!
Zeit und die nötige Vernunft müssen über dem Ergeiz einen Superstar aus zu bilden stehen.
Auch wir als Jäger haben nicht in einer Jagdsaison alles wissen, kennen noch erlernen können. Erst über einen längeren Zeitraum sammelt man ausreichend Jagdpraxis und lernt dabei täglich im Revier dazu. Fehler und die daraus ergebenen Fehlentscheidungen sind ein ständiger Begleiter in unserem Jägeralltag. Nur aus Fehlern wird man lernen und bestrebt sein diese zu vermeiden. Immer mit dem Bewusstsein im Hinterkopf welche enorme Verantwortung wir als Jäger haben.
Ähnlich ergeht es uns mit der Aufzucht und Ausbildung unseres Jagdgefährten.
Man braucht viel Geduld und Verständnis um das Potential seines Hundes kennen zu lernen.
Wichtig ist dabei das intensive Beobachten und Gezielte lenken um aus einem Welpen mit guter Grundanlage einen brauchbaren Jagdgefährten zu erziehen.
In der Prägephase bis in etwa zum 18 Monat wird der Grundstein für die spätere Leistung, deren Benehmen und dessen Verhalten gelegt.
Alles was ich als Hundeführer einmal zulasse wird vom Zögling als selbstverständlich hin genommen. Das heißt für das Herrl die Grenzen des Zumutbaren ab zu stecken.
Hier kann man keinem einen Rat geben was zumutbar ist oder nicht.
Wichtig ist nur kann ich selber und meine Familie damit Leben oder muss ich etwasändern.
Bei einer Zwingerhaltung die ich persönlich eher ablehne darf das Familienleben für den Hund nicht zu kurz kommen. Der Vierbeiner ist kein Gebrauchsgegenstand den man nimmt und in den Schrank sperren kann. Die Bindung die man bei der Hundehaltung aufbaut zwischen dem Herrl als Alphatier und dem Jagdgefährten als Betatier muss man sich sehr bewusst vor Augen führen.
Bei einer Nachsuche übernimmt ab einem gewissen Zeitpunkt der Jagdhund die Funktion des Alpha – mit dem Ziel Beute zu machen.
In diesem Bewusstsein nachdem man ein Stück zu Stande gebracht hat wird dein Jagdhund seine Beute nur mit dir teilen. Das muss man sich sehr bewusst vor Augen führen und etwas gegenlenken und gezielt führen. Speziell Hundeführer die Jagdgäste oder in den Nachsuchestationen tätig sind müssen die schärfe des Hundes beim Stück nicht nochübermäßig fördern.
Die Rasse spezifische Grundschärfe genügt vollkommen aus um das Stück in Besitz zu nehmen.
Wichtig und nicht zu vergessen dabei – teilen tut dein Jagdgefährte bei einer Erfolgreichen Suche auf Schalenwild nur mit dir und sonst mit keinem anderen.
Nicht einmal mit dem Frauerl wenn diese einmal bei einer Nachsuche dabei sein sollte.
Bitte beachtet das um nicht böse Überraschungen zu erleben!
Wir brauchen keine Mann scharfen Hunde sondern es genügt eine kontrollierbare Wild schärfe.
Welche Ausbildungsmöglichkeiten werden von mir in den Wochen 15 bis 20 forciert.
Tipp:
Es empfiehlt sich eine Welpenschule, eine Hundeschule oder einen Hundtrainer/in für Gehorsamsübungen und Verhaltensregeln zu kontaktieren.
Diese Kurse sollten Regelmäßig besucht werden. Die Erfahrungen daraus über das Verhalten seines Zöglings und deren Gehorsam werden wir laufend beim Gassi gehen und im Revier üben.
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man sollte sich am Anfang nicht allzu viel erwarten – hier ist Geduld gefragt.
Nur durch ständiges wiederholen und trainieren wird man im laufe der Zeit Erfolg haben.
Der Gehorsam ist ein Teil seiner Ausbildung. Dieser Ausbildungsteil sollte so abgestimmt sein, dass unsere Schweißhunde bei einer Nachsuche selbständig Entscheidungen treffen und nicht durch einen Übermäßigen Gehorsam die Arbeit abbrechen.
Hier braucht man viel Fingerspitzengefühl um ein richtiges Maß an Eigenständigkeit zulassen und Gehorsam ein zu fordern.
Aus diesem Grund werden Welpen von HS, BGS und Alpenländischer Dachsbracke nur an Jäger ab gegeben.
Die Hundeführer von Vorstehhund, Apportierhund, Bauhunden, Bracken benötigen eine andere Ausbildung wie ein Schweißhund. Diese Hunderassen werden je nach Anforderung dementsprechend abgeführt und ausgebildet!
Einige Grundregeln von Kommandos:
Immer kurze und im Ton scharfe, Prägnante Kommandos geben.
Jedes Kommando das man an den Hund richtet sollte stimmlich, als Pfeifton mit Handzeichen unterstützt über die Führerleine die Selben in dessen Ausführung sein.
Es ist wissenschaftlich belegt, dass ein Vierbeiner bis zu 200 Worte erkennen und auch zuordnen kann. Die Kommandos von Herrl und Frauerl sollten aufeinander abgestimmt und in der Anwendung den Selben Wortlaut, die Selben Handzeichen, die Selben Pfeiftöneunterstützt durch die Führerleine ausgeführt werden.
Nur so wird dein Jagdgefährte im Laufe der Zeit die kurzen, scharfen, prägnantenKommandos erkennen und richtig zuordnen können.
Einige klassische Kommandos:
Sitz, Platz, hier, Halt, steh, aus, pfui, Fuß, frei Fuß, down, ab, bleib, gib Laut, Hundename, such voran, such verwund, zur Fährte, lass sehen um nur einige wenige zu nennen.
Tipp:
Ob beim Gassi gehen oder im Revier empfiehlt es sich
tägliche Übungen mit den Selben Kommandos durch zu führen.
Die unterstützenden Handzeichen werden später in der Jagdpraxis von großem Nutzen sein.
Der tägliche Ablauf vom Aufstehen, Hund löst sich, Wasserschüsseln mit frischemWasser füllen, Fressen geben, Reviergang, Fahrten ins Revier, zu Hause bei der Familie sollten für Herrrl und Hund zur Routine werden.
Den Ablauf wenn möglich immer gleich gestalten. Auf ungewohnte Abläufe reagieren die Vierbeiner sehr unterschiedlich und oft irritiert.
Dein Hund lernt, versteht enorm schnell und merkt sich einfach alles.
Probiere es einmal selber aus wenn Nebel im Revier ist.
Gib deinem Hund die Aufforderung zurück zu suchen zum Ausgangspunkt.
Er wird dich ohne Fehlgang zurückführen!
Merke: Wenn dein Jagdgefährte einmal mit dir auf einem Platz gewesen ist wird er diesen sofort wieder erkennen und dich dort hinführen können.
Tipp:
Sollte einmal etwas nicht so klappen wie erwartet so versucht es anfänglich mit einemLeckerli. Vielleicht sogar seine eigenen Erwartungen beim täglichen Üben zurücknehmenund einfachere Aufgaben forcieren.
Dein Begleiter liebt den Erfolg!
Bedenke: Jeder Hund ist bestechlich!
Tipp:
Achte darauf, dass zu Hause und bei Vorbereitungen für Revierfahrten strickte Trennung herrscht. Deine Familienmitglieder müssen über die Jagd Passion deines Hundes Bescheid wissen.
Damit verhindere ich böse Überraschungen zu erleben.
Sollte man mit seinem Junghund ein Stück erlegt haben hat anfänglich der Hund nichts beim erlegten Wild zu suchen.
Hier einige Grundregeln die man beachten sollte:
Versuchen selber keine unnötige Unruhe auf den Hund zu übertragen.
Auf gar keinen Fall rasch vom Sitz aufstehen – das bitte auch den Jagdgästen eindringlich vorher schon sagen.
Sollte der Hund den Bezug wegen falschem Verhalten zum Knall vom Schuss? AHA? Wild? Suchen? herstellen wird er in der Folge immer Unruhig, Laut und nervös werden.
Sein Jagdfieber das Stück zu suchen kommt unkontrolliert aus den Fugen.
Eine Riesen Unsitte ist es auch nach dem Schuss den Hund von der Halsung zu nehmen und frei suchen lassen.
Dabei verdirbt man sich seinen Sprössling total!
Die Folgen daraus werden sein, dass dein Vierbeiner keine anspruchsvollen Nachsuchen mehr arbeiten wird.
Erst wenn das Wild versorgt wurde kann man seinen Sprössling das Stuck beschnuppern lassen.
Ich möchte jetzt diesen Teil 2 abschließen und mich um meinen Arco kümmern.
Wir haben noch viele Trainingseinheiten vor uns.
Die Gehorsamübungen, Reviergänge, das gegenseitiges Vertrauen aufbaut werden in den kommenden sieben Wochen verstärkt im Ausbildungsplan forciert.
Im 3. Teil berichte ich euch von Woche 21 bis 28 wie es mir mit Arco bei den Gehorsamsübungen und bei der ersten künstlichen Schweißfährte ergangen ist.
Bis dahin wünsche ich allen einen guten Anblick und ein kräftiges Weidmannsheil!
HORÜDHO!
Horst Kraißer/ St.Johann in Tirol
Obmann der Nachsuchestation












